Momentaufnahmen

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in diese Rubrik schreibe ich inzwischen schon seit mehr als fünf Jahren in loser Folge meine klitzekleinen Beobachtungen aus dem Alltag. Mal sind es positive Lichtblicke, mal eher Nachdenkliches. Ich habe Freude daran, meine Eindrücke mit Ihnen zu teilen. Dazu ermuntern mich auch immer wieder die zahlreichen Reaktionen und Zuschriften, für die ich jedem Einzelnen von Ihnen herzlich danke.

 

Inzwischen sind es so viele geworden, dass Sie meine Geschichten 2014-2019 unter folgenden Links finden: 2019  / 2018  / 2014-2017


Tierliebe im Internet

Heute möchte ich mal von meinen Facebook-Beobachtungen erzählen. Da darin in meinem Fall etliches über Tierrettungen berichtet wird und zwar in englischer Sprache, konnte ich in manchen Geschichten originelle Unterschiede zu uns hier im deutschsprachigen Raum im Umgang mit Haustieren feststellen.

 

Beim Anlocken eines streunenden Hundes zum Beispiel wird das Tierchen gleich als 'Good boy' bzw. als 'Good girl' bezeichnet, dies in einem sehr freundlichen, aufmunternden Ton.

 

Ist nun das Tierchen, sagen wir mal, der Hund, mit zu sich nach Hause gebracht worden, wird er zuallererst gründlich eingeseift und gebadet. Ich möchte behaupten, dass dies typisch amerikanisch ist. Ich denke, bei uns würde man das Tierchen zuerst zur Ruhe kommen lassen, bevor man es einer solch heftigen Prozedur aussetzt!? Aufgefallen ist mir auch, dass im Allgemeinen von der Schwester, dem Bruder des Hundes berichtet wird.
D o c h, damit ist eine menschliche Schwester bzw. Bruder gemeint. Ich als große Hundeliebhaberin finde diese Bezeichnung trotzdem etwas kurios. Am schönsten finde ich den Ausdruck 'he must go to the bathroom'. Dreimal dürfen Sie raten, was damit gemeint ist! Bei uns würde man doch ganz einfach sagen, dass der Hund Pipi machen muss, oder etwa nicht? Sind die Amerikaner so prüde, dass solch ein Ausdruck schlimm wäre?

 

Unabhängig davon finde es manchmal berührend, wenn ich Männer sehe, wie sie mit ihren Tieren schmusen und in hoher Stimmlage zu ihnen sprechen. Das tut Männern auch mal gut!

 

April 2021


Warum einfach, wenn es auch anders geht?

Nachdem neulich der Spiegel an meinem Badezimmerschränkchen plötzlich den Geist aufgab, indem er halb über dem Waschbecken hängenblieb, musste ich ziemlich eilig den Sanitär-Fachmann anrufen und ihn bitten, mir dieses Damoklesschwert über meinem Haupt rasch abzuschrauben.

 

So blieb es nicht aus, ein neues Schränkchen zu bestellen, da sich beim alten nichts mehr reparieren ließ. Außerdem war auch das tägliche Hochstemmen des Spiegels nie sehr praktisch gewesen.

Kurz darauf wurde das neue Teil geliefert. Es hatte zwei ganz normale Spiegeltüren, die man einfach öffnen konnte.

 

Jedoch, womit ich nicht gerechnet hatte, war die Tatsache, dass das vorherige Licht über dem Waschbecken, das ich zuvor mit einem Kippschalter betätigen konnte, nach neuester Art nur durch eine Handbewegung anging. Der Installateur zeigte es mir voller Stolz auf die neue Erfindung. Als ich jedoch abends das Licht anmachen wollte, musste ich immerhin etwa dreimal mit dem Arm unter das Schränkchen reichen, bis es endlich an-, bzw. anschließend wieder ausging. Bei meinem Anruf beschwerte ich mich mit den Worten, ich hätte immer wieder gewedelt, aber es hätte erst nach mehreren Versuchen funktioniert. Der gute Mann meinte, ich müsse nicht 'wedeln', das ginge doch ohne Probleme. So gab ich es auf und trauerte meinem guten alten Schalter nach! Anderntags bat ich meine Freundin, diese 'einfache' Methode auszuprobieren. Sie erkannte schon mal, dass man seinen Arm ziemlich weit bis zum Anschlag unter das Schränkchen halten musste, damit es funktionierte. So gab ich mich eben zufrieden damit!

 

Übrigens, meine Tochter informierte mich darüber, dass man solche Neuheiten 'Gestensteuerung' nennt. Klingt sehr fachmännisch!

 

April 2021


Ein Geständnis

Vor Kurzem rief mich eine gute Freundin an und machte den Vorschlag, mit ihrer Tochter bei mir vorbeizukommen, um eine kleine Runde zu drehen. Das fand ich eine sehr gute Idee und sagte spontan zu.

Kurz darauf sah ich das Auto, und wie ich schon vermutet hatte, sprang auch der neue Dackel der Tochter aus dem Wagen und musste gleich den ganzen Hof gründlich abschnuppern. Meine Freundin berichtete, dass dieses Tierchen aus ganz schlechten Verhältnissen gerettet wurde und nun bei der Tochter und auch oft bei der Freundin ein Leben herrlich und in Freuden genießen durfte.

Und unvermutet dachte ich im Vergleich zu diesem hübschen und aktiven Tierchen an die Dackel meiner Großväter, die mich leider zu der Erkenntnis brachten, nie einen eigenen Dackel übernehmen zu wollen!

Wendel, der Glatthaardackel meines Schweizer Großvaters war dick und träge und musste ziemlich schnaufen, wenn er die Treppe zum Büro des Herrchens hinaufsteigen wollte. Irgendwie roch er auch etwas unangenehm. Und es ist doch verständlich, dass ich keine spezielle Zuneigung zu diesem fetten Hund empfinden konnte. Erstere bekam er sowieso genügend von der Haushälterin des Opas und von diesem sowieso.

Der Dackel meines Großvaters in Ulm hieß Ratz, ein schwarzer Dackel mit längerem Fell. Und dieser war ziemlich bissig, sodass wir Kinder beim Besuch des Großvaters, der das Tier als Jagdhund hielt, uns nie getrauten, Ratz zu streicheln. Sicher war auch das Verhalten des Herrchens schuld daran, dass Ratz gerne zuschnappte.


Seltsam, wie ganz plötzlich solche Erinnerungen aus der Kindheit auftauchen und mir dabei auch bewusst wurde, warum ich später immer nur große Hunde gehabt hatte. Als Kind, das ich war, verstand ich nicht, dass Wendel und Ratz für meine Abneigung letztlich gar nichts konnten.

 

März 2021


Mode mit Fragezeichen

Ich habe erkannt, dass ich einfach nicht mehr in diese Zeit hineinpasse, da sich  s o  viele Dinge, auch in der Mode, inzwischen verändert haben. Ich frage mich, ob zum Positiven?

Warum müssen denn unbedingt die so praktischen und guten Jeans, die auch  i c h  im hohen Alter noch gerne trage, unbedingt mit Rissen und Löchern ausgestattet sein. Und dies, um absolut IN zu sein? Könnten sie sogar ein Symbol für die heutige Welt allgemein bedeuten? Darüber könnte man mal nachdenken.

 

Gelegentlich schaue ich mit gemischten Gefühlen einen Teil der Sendung 'Zwischen Tüll und Tränen' an.

Gerade gestern musste ich mitansehen, wie eine eigentlich ganz hübsche junge Frau, zwei Kinder, die Haare grau gefärbt, mit Nasenpiercing und Tatoo am ganzen Arm, ihr endlich ausgewähltes Brautkleid 'mega geil' fand! Ich muss gestehen, ich fand es ganz einfach jammerschade, diesen bunten Tatoo-Arm als extremen Kontrast zu dem so schönen Brautkleid ansehen zu müssen! Aber so etwas verstehen wir alten Leute ja sowieso nicht ...!

Abgesehen davon bekommen wir ja auch recht oft in dieser Sendung extrem dicke Bräute zu sehen, die in ihre Braukleider hineingepresst dastehen und von allen bewundert werden. Ich bin sicher, es gäbe auch für solche Bräute passende Kleider, die ebenso schön wären, ohne darin lächerlich zu wirken.

 

Oder bin ich zu kritisch?

 

März 2021


Minus 10 Grad

Wer gelegentlich meine Momentaufnahmen liest, kennt natürlich die öfters wiederholten Geschichten über den täglichen Betrieb an meinem Vogelhäuschen. Eigentlich wollte ich meine Leser damit nicht langweilen, aber seit gestern und speziell bei dieser Kälte bietet sich mir erneut ein besonders lebhaftes An- und Abfliegen am und um das Vogelhaus, was ich von meinem Sitzplatz aus ständig mit Freude beobachten kann.

 

Dabei gibt es schon einige Stammgäste, wie etwa diese Amsel, die seitlich eine einzelne weiße Feder in ihrem schwarzen Gefieder aufweist, sodass ich sie gut erkennen kann. Heute hat sie sich nun buchstäblich so voll gefressen – vermute ich jedenfalls ‒, dass sie in den Hülsen der Sonnenblumenkerne sitzen blieb und sich wenig um den Hochbetrieb um sich herum kümmerte. Da näherte sich unversehens mein Rotkehlchen und zog buchstäblich, man glaubt es kaum, einen wahrscheinlich halb erfrorenen Regenwurm aus den Ritzen der Bodenplatten heraus, worauf die träge Amsel schlagartig zum Leben erwachte und zu diesem Leckerbissen hin flatterte, allerdings zu spät!

 

Und erstaunlicherweise dulden sich die frierenden und hungrigen Vögel an solch strengen Wintertagen etwas großzügiger und picken zu zweit und zu dritt im Vogelhaus. Es ist mir noch nie gelungen, die vielen Spatzen, Meisen, Buchfinken, Kleiber, sogar Kernbeißer zu zählen, die sich in Scharen über die großzügig verteilten Körner, auch am Boden, hermachen. Es müssen jeweils so um die 30‒40 Vögel sein! Sogar meine beiden Eichhörnchen haben sich heute geeinigt: das eine frisst im, das andere unterm Vogelhäuschen.

 

Fragen Sie mich nicht, wie viel Kilogramm Körnerfutter ich im Laufe des Jahres schon verteilt habe!

 

Februar 2021


Betrieb am Vogelhaus

Gerade jetzt in diesen Ausnahmezeiten sind für mich die Beobachtungen am Vogelhaus eine schöne Abwechslung.


Seit etlichen Wochen schon kommt fast täglich ein Eichhörnchen dazu. Es ist sicher dasselbe wie dasjenige, das vor etlicher Zeit eine Elster energisch verjagt hatte. Inzwischen fühlt es sich bei mir am Vogelhaus so sicher, dass es ohne Scheu ganz nah vor meine große Fensterscheibe kommt, um dort auch noch Kerne zu knabbern. So konnte ich genau beobachten, wie die kleinen Pfoten in aller Eile die Kerne einen um den anderen in das Mäulchen schoben, als ob es um einen Geschwindigkeitsrekord ginge! Ich bedauerte wieder einmal, keinen Fotoapparat mehr zu haben, es hätte ein allerliebstes Bild gegeben. Schließlich war mein Eichhörnchen satt, und nun rannte es zum Brunnen und trank ausgiebig von dem nicht mehr sehr sauberen Wasser, nachdem es buchstäblich seinen Wanst vollgefressen hatte!


Heute am Sonntag – recht früh am Morgen und pünktlich zum Essen – erschien das Eichhörnchen wieder. Da ich aber diesmal zuerst meinen Spatzen, Buchfinken, Amseln, Meisen, Eichelhähern, Kleibern, ja auch den Tauben, Elstern und Krähen freien Zugang zum frisch verstreuten Futter geben wollte, öffnete ich die Türe, um meinen kleinen Vielfraß zu verjagen. Nun ja, etwas widerwillig rannte das Tierchen weg, blieb aber nach etlichen Metern stehen, und machte Männchen, um zu schauen, ob meine Absicht wirklich ernst gemeint war. Ich blieb, wo ich war. Wieder ein Zögern, ein proforma an einem Busch halb Hochklettern, bis mein Eichhörnchen merkte, dass ich es diesmal tatsächlich ernst meinte. Und kaum war es im Wald verschwunden, kamen schon meine Vögel zum Futterhäuschen und machten sich über die Kerne her.


Ganz raffinierte kleine Biester sind diese Eichhörnchen! Und doch kommt bei mir jeder mal dran!

 

Januar 2021

 


"Männer in Kamelhaarmänteln" von Elke Heidenreich

Diese Neuerscheinung über Kleidung hat mir sehr gut gefallen, ich hatte das Buch in einem Rutsch gelesen. Elke Heidenreich kann ja teilweise, wie in diesem Buch, recht ironisch die unfreiwillige Komik in gewissen Dingen aufzeigen, oder auch eine Art Tragik-Komik. Und, wie das bei mir oft geschieht, wurden vergleichbare lange zurückliegende Erinnerungen aus meinem eigenen Leben wieder lebendig.

 

Das fängt an etwa im Jahr 1943, als die kleine Verena unbedingt auch zu den Jungmädels wollte, was meine Eltern möglichst lange zu verhindern suchten.

 

Da es sich jedoch um eine spezielle Singgruppe handelte, gab meine Mutter schließlich nach mit den unvergesslichen Worten „Aber diese schreckliche khakifarbene Uniformjacke ziehst Du NICHT an! So blieb mir nichts anderes übrig, als als Einzige unter den Kameradinnen mit einem dunkelblauen Blazer aufzutauchen, was erstaunlicherweise mit einer gewissen Gelassenheit geduldet wurde!

 

Nach Kriegsende näherte sich der Abschlussball unserer Tanzstunde. Und wieder durfte ich nicht, wie alle anderen Mädchen, das übliche opulente Ballkleid in Rosa, in Himmelblau, auswählen, sondern es sollte ganz „apart“ aus hellgrauer Seide sein. Damals hat man sich noch den Wünschen der Mütter untergeordnet! Immerhin kreierten Schneiderin und Mutter einen sehr hübschen, recht modernen Stil mit einer gesmokten Schulterpartie, die mich etwas beruhigte. Und so hielt das unvermeidliche Foto für alle Ewigkeit die Gruppe der Absolventinnen, damals noch nicht in Farbe – Gott sei Dank – fest! Die Freude an diesem letzten Abend hat es mir nicht genommen!

 

Und noch etwas, zum Thema Wollsocken. In Aachen hatte ich vor Kurzem ein Paar Wollsocken gekauft, die vorne ein R für rechte Socke und auf der anderen  ein L für linke Socke aufweisen. Angeblich habe man unterschiedliche Fußgrößen, meinte die nette Verkäuferin, was ich nicht wusste. Und nur schon zum Spaß schaute ich jedes Mal beim Anziehen darauf, diese speziellen Socken genau nach Anweisung über die Füße zu streifen. Irgendwann hatte ich es satt mit dem Spielchen. Und sie werden es nicht glauben, es hat mir oder meinen Füßen nicht geschadet, wenn ich sie falsch herum angezogen hatte ..!

 

 

Januar 2021


Kleines Wunder

Ich habe den Eindruck, dass wir durch diese außergewöhnlichen Zeiten der Isolation von uns Bürgern sogar mehr die kleinen Dinge, die uns umgeben, beachten als sonst.

 

So möchte ich heute einfach wieder mal von einem Alpenveilchen berichten, das mich in Erstaunen versetzte.

 

Ich hatte das Alpenveilchen nach dem Einkauf auf meinen großen Esstisch hinter dem Südfenster gestellt. Wie immer goss ich bei dieser Pflanze etwa jeden zweiten Tag das Wasser in den Übertopf. Aber irgendwie verloren in den nächsten Tagen die wenigen roten Blüten ihre Farbe und wurden blass. Und auch junge Triebe blieben zwischen den Blättern und wuchsen nicht in die Höhe. Das kam mir seltsam vor, zumal die Pflanze ja so weit gesund zu sein schien.

 

Eher zufällig stellte ich einige Zeit später das Alpenveilchen ein ganzes Stück weiter auf den Küchentisch, ebenfalls Südlage. Und Sie werden es nicht glauben, das blässliche Rosa der Blüten wurde wieder rot und die Triebe wuchsen in die Höhe und brachten neue Knospen, die sich gerade heute am Sonntag öffneten! Ich hatte buchstäblich den Eindruck, dass die Pflanze dort auf dem Küchentisch aufatmete! Ich muss zugeben, mir ist es rätselhaft, warum diese kleine Veränderung solche Folgen hatte!

 

Aber es hat mich natürlich sehr gefreut!

 

November 2020


Selbstgespräche

Lassen wir einmal kurz die augenblickliche, extrem prekäre Situation zum Thema Corona beiseite. Aber auch ohne Lockdown ist es offensichtlich für allein lebende Personen nicht einfach, ganz normale Kontakte, wie in einer Familie, beizubehalten. Wer hat nicht schon gehört, dass manche alte Menschen mit sich selbst sprechen? Nur, um sich mal spontan zu einer Situation zu äußern? Und zugegeben, dazu gehöre auch ich inzwischen!

 

Erschwerend kommt noch hinzu, dass vor wenigen Monaten meine liebe Hündin im Alter von fast sechzehn Jahren „über den Regenbogen gegangen ist“, wie man in Hundekreisen so poetisch für den Tod sagt. Also fehlt mir zu diesem Leid auch ein vierbeiniger Ansprechpartner.

 

So fing ich unwillkürlich damit an, beim täglichen Füttern meiner Vögel am Vogelhaus im Garten ein wenig mit ihnen zu reden. Eigentlich kam dies ganz von selbst. Wenn ich also morgens mit meinem Eimer voller Sonnenblumenkerne über die Wiese komme, höre ich prompt aus den umliegenden Hecken und Bäumen aufgeregtes Piepsen, wobei ich dann unwillkürlich „Ja, ja, ich komme ja schon!“ sage.

 

Letzte Woche tauchte dann nach längerer Zeit wieder das Eichhörnchen auf und futterte emsig auf dem Boden vor dem Vogelhaus Vorräte für den Winter. Da kam eine Elster angeflogen und wollte sich an dem Mahl direkt neben dem Hörnchen beteiligen. Da hätten Sie aber sehen sollen, wie das Tierchen reagierte! Es stellte sich buchstäblich voller Entrüstung neben die Elster und gab ihr mit drohenden Pfoten und Verfolgen zu verstehen, dass sie sofort abzuhauen habe! Irgendwie kam mir dies direkt menschlich vor – Heimkino vor meiner Fensterscheibe! Noch ein paar Versuche des hartnäckigen Vogels. Dann gab die Elster endlich auf und flog weg. Zwar konnte das Eichhörnchen meinen belustigten Kommentar nicht hören, aber aussprechen musste ich ihn schon: „Respekt, kleines Eichhorn!“.

 

November 2020


Spätes Geständnis

Ja, zugegeben: e i n m a l  in meinem Leben habe ich etwas geklaut!

Das war vor vielen Jahren in einem sehr vornehmen und teuren Hotel, in dem mich Freunde, die ich in Zürich besuchte, untergebracht hatten. Der Abend war schon nicht so gut verlaufen, und als ich dann in meinem Hotelzimmer die Preise dafür sah, war ich richtig erschrocken. Das heißt also, ich hatte schlecht geschlafen und war irgendwie sauer auf meine Freunde, die mir das Hotel gebucht hatten.

 

Auf einem Beistelltischchen in meinem Zimmer stand ein origineller Aschenbecher aus Porzellan mit einer bunten Abbildung eines Hotelpagen.

 

Und so beschloss ich aus Frust, wenigstens etwas Hübsches aus diesem teuren Kasten mitgehen zu lassen.

 

Vielleicht sollte ich besser „mitfahren“ sagen. Jedenfalls begleitete mich der kleine Aschenbecher nach Belgien und stand nun viele Jahre neben dem Waschbecken als Seifengefäß in der Gästetoilette. Zugegeben, immer war mir bewusst, dass dieses Teil damals, zumindest ungefragt, in mein Gepäck gewandert war.

 

Letzte Woche nun wurde  m e i n  Hotel-Aschenbecher aus Zürich Opfer eines Unfalls, als unvermittelt der Spiegel von der Wand fiel und den kleinen Hotelpagen mit sich riss.

 

War das nun die Rache des Schicksals? So oder so: Heute kann ich bestimmt besser schlafen als in dem Hotelzimmer viele Jahre zuvor.

 

November 2020


Film über Generalfeldmarschall Erwin Rommel

Obwohl ich Filme über längst vergangene Kriege und über Personen aus jenen Zeiten nicht sehen möchte, wollte ich neulich nun gerade diesen über den Zweiten Weltkrieg und über Rommel auf 3Sat anschauen. Und dies wegen immer noch lebhafter Erinnerungen an meine Kindheit.

 

Rommels Familie wohnte in einem von meiner Heimatstadt Ulm nahe gelegenen Ort, in Herrlingen, der uns Kindern durch damalige Wanderungen auf der Schwäbischen Alb gut bekannt war.

 

In diesem Film wurden die letzten Wochen des Jahres 1944 gezeigt, in der übrigens ausgezeichnete und bekannte Schauspieler, unter anderem Ulrich Tukur als Rommel, teilnahmen. Lediglich die Gestalt von Hitler erschien mir nicht gut interpretiert, er agierte wie ein kleiner Hampelmann mit kaum verständlicher krähender Stimme, die die Gefährlichkeit dieses Diktators nicht überzeugend aufzeigen konnte.

 

Bekanntlich hatte Rommel gegen Ende des Krieges vergeblich versucht, Hitler zu einem Aufgeben des Kampfes zu überzeugen. Und kurz darauf wurde er auch verdächtigt, beim misslungenen Anschlag auf Hitler beteiligt gewesen zu sein. So wurde er von treuen Anhängern Hitlers bei einem überraschenden Besuch in seinem Haus aufgefordert, mitzukommen und eine rasch wirksame Giftdosis einzunehmen. Es wurde ihm versichert, dass niemand von dieser Todesart erfahren sollte, sondern dass die Trauerfeierlichkeiten mit allen Ehren groß begangen werden sollten. Der Grund seines Todes sollte übrigens mit seiner schweren Verwundung bei einem Raketenangriff erklärt werden. Die Szene, wie Rommel sich dann von seiner Frau verabschiedet, ist richtig ergreifend.

 

Und nun komme ich zu den Gründen, warum ich diesen Film unbedingt sehen wollte. Bei einem länger zurückliegenden Treffen unserer früheren Oberschulklasse viele Jahre später wurde uns auch der Weg bei Herrlingen gezeigt, den Rommel zu einem sehr abgelegenen Ort zwischen Wald und Wiesen zurücklegen musste, bis zu der Stelle, wo er dann das Gift einnehmen musste und wo er in aller Heimlichkeit als Leiche zurücktransportiert wurde.

 

Beim Wandern über diesen langen abgelegenen Weg hatte ich mich damals in Gedanken intensiv mit dieser schrecklichen Situation auseinandergesetzt und stellte mir vor, was ein Mensch empfinden musste im Bewusstsein, dass in ein paar Minuten das Gift wirken und der Tod sofort eintreten würde.

Schließlich standen wir vor einem unscheinbaren Gedenkstein an diesen Menschen. Beim Zurückgehen zum Bus waren wir alle recht nachdenklich.

 

Zurück zum Jahr 1944. Anlässlich der spektakulären Beerdigung mit allem Pomp, wo die halbe Stadt die Straßen säumte, verbot mir meine Mutter strengstens, zuschauen zu gehen. Sie und mein Vater ahnten offensichtlich, wie es zu diesem 'Heldentod' des Feldmarschall gekommen war!

 

Und noch etwas: Meine Generation, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt hat, wird bald nicht mehr da sein. Auch deshalb wollte ich diese Erinnerungen an einen sinnlosen Krieg und auch an das Beispiel meiner Eltern als kritische Denker hier festhalten

 

Oktober 2020


Aus Pietät

Gestern beschloss ich, einen kleinen Schrank beim Eingang endlich mal auszuräumen und zu säubern. Und da fiel mir dieses alte Teil wieder in die Hände, das ich aus dem Nachlass meiner Mutter aufbewahrt hatte, nämlich einen sogenannten Klingelzug. Es ist ein etwa handbreites, besticktes und gefüttertes Band von etwa eineinhalb Metern Länge. Diesen hatte die Tante Trude, eine Freundin meiner Mutter, vor vielen Jahren liebevoll in langen Stunden als Gobelin, das heißt in feinsten Stichen, selbst gestickt und ihr geschenkt. Natürlich diente dieses Teil lediglich als Wanddekoration, denn wer denkt heute, aber auch damals vor zig Jahren, noch daran, eine Dienstmagd per Klingelzug zu rufen!? 

 

Aber schon meine Mutter hatte es aus alter Treue zur Freundin nicht fertiggebracht, ihr Geschenk zu 'entsorgen'. Und irgendwie kam es dann in meinen Besitz, als meine Mutter relativ jung noch starb.

 

Auch ich bringe es aus reiner Pietät nicht fertig, den Klingelzug, der viele, viele Stunden Arbeit gekostet hatte, wegzuwerfen!

 

Und was soll ich denn nun damit machen ..?

 

Oktober 2020


Hund Kelly

Nach längerer Überlegung und Besprechung mit einer Züchterin sollte die Whippet-Hündin einer Freundin meiner Tochter gedeckt werden. Es wurde ein geeigneter Zuchtrüde in Frankreich dafür ausgesucht und im genau ausgerechneten Zeitpunkt der Hündin vorgestellt.

Diese reagierte sofort äußerst ungnädig. Sie knurrte den Bewerber an und wich ihm aus. Dies ging so weit, dass sogar der Rüde vor Kelly Angst bekam und keine weiteren Versuche mehr machen wollte!

 

Nun war guter Rat teuer. Künstliche Befruchtung? Abwarten? Einen anderen Rüden holen? Man entschied sich zu letzterem. Und siehe da! Als dieser nun gebracht wurde, verhielt sich die Hündin ganz anders. Sie war offensichtlich sehr angetan von ihrem Bewerber, begrüßte ihn freundlich und schien von dem Rüden richtig begeistert zu sein. Dies zeigte sich schließlich auch recht unmissverständlich, sodass der Deck-Akt normal vonstattenging.

 

Zurück blieb eine recht nachdenkliche Hundebesitzerin, die mir bei einem Besuch davon berichtete. Wir kamen sofort zu der schönen Einsicht, dass auch Hunde und Tiere allgemein keine primitiven Wesen sind, sondern – wie der Förster und Autor Peter Wohlleben schreibt – auch eine Seele haben.

 

Juli 2020


Belgier mit Humor

Schon immer gefiel mir die lockere Art der hiesigen Einwohner. Und gerade jetzt, in der nicht einfachen Corona-Zeit, habe ich zusammen mit meiner Tochter bei verschiedenen Gelegenheiten ein paar nette kleine Episoden beobachtet.

 

Als wir in kleiner Runde abends im Restaurant bei der Käseauswahl angekommen waren, blieb es nicht aus, dass auch einige Gäste, trotz gebührenden Abstands, die ausführlichen Beschreibungen des Wirtes der unterschiedlichsten Käsesorten hörten und auch zu sehen bekamen. Um unseren Tisch herum lachende Gesichter, anerkennende Bemerkungen von links und rechts, was mich amüsierte und ich irgendwie nett fand. Ich fragte mich, ob dies auch so selbstverständlich in einem deutschen Restaurant zu beobachten wäre?

 

Ein andermal musste meine Tochter im Modegeschäft etwas abholen. Für diesen kurzen Besuch nahm sie ihren Hund mit in die Boutique. Als wir an einem älteren Ehepaar vorbeikamen, rief der Herr schmunzelnd „Oh, der Hund trägt ja gar keine Maske“, worauf wir alle lachen mussten.

 

Am selben Tag half mir meine Tochter bei Einkäufen im Supermarkt. Als ich soeben etwas aussuchte, kam sie mir rasch nach, allerdings hatte sie versehentlich den Wagen eines anderen Kunden erwischt, sodass jener hinter ihr herlaufen musste und diesen Irrtum mit einem witzigen Kommentar aufklärte. Natürlich entschuldigte sich meine Tochter.

 

Sicher verstehen Sie nun meine Überschrift und vielleicht sind Sie ja auch derselben Meinung?

 

August 2020


Guter Rat

Als vor 37 Jahren mein Mann verstarb, war dies für mich als Witwe und Mutter von drei Kindern eine schreckliche Zeit, wie sich dies wohl jeder vorstellen kann. Aber ich bemühte mich, weiter für meine Kinder da zu sein und meinen schwierigen Alltag zu meistern.

 

Mein Sohn war damals gerade mal 18 Jahre alt. Aber irgendwie bemühte er sich, die Mutter zu ermutigen, nun  s e l b s t  gewisse Dinge ganz einfach zu versuchen. Dies betraf eher kleine technische Probleme. Wenn ich ihn gelegentlich bat, mir zu helfen, meinte er „Nun denke einmal nach,  w i e  man das machen könnte!“ Und, in der Tat, manchmal kam ich von selbst auf eine Lösung, worauf ich natürlich recht stolz war.

Sie werden es nicht glauben, aber noch heute höre ich manchmal bei plötzlich auftretenden Schwierigkeiten in Gedanken „denke einfach mal nach“.

 

Gerade in der letzten Woche konnte ich meinen Fernseher nicht anschalten. Der Bildschirm blieb schwarz. Kurz dachte ich an die Strompanne tags zuvor. Aber dann überlegte ich über weitere Möglichkeiten, ganz nach dem Ratschlag meines Sohnes. Plötzlich fiel mir ein, dass vielleicht die Batterien in der Fernbedienung leer sein könnten! Und siehe da: Nach dem Einsetzen frischer Batterien funktionierte alles wieder, und ich konnte den ausgesuchten Film anschauen.

 

Zugegeben, ein bisschen stolz bin ich immer noch!

 

Juni 2020


Die Mama

Vor etlichen Tagen sah auch ich in Facebook den kleinen Film, den eine Zuschauerin in Minnesota von dem Polizisten aufnahm, der während bald zehn Minuten unter lautem Gebrüll den Fuß auf den Nacken eines liegenden „schwarzen Delinquenten“ drückte, bis dieser sich nicht mehr bewegte, weil er inzwischen gestorben war. Fast jeder von uns hat von dieser Szene gehört oder gesehen. Und die Folgen von diesem empörenden Verhalten haben wir auch den Medien entnehmen können.

 

Dieser Film ist schrecklich anzusehen, aber ich schaute ihn dennoch bis zum Ende an. Besonders berührt hat es mich, wie der liegende Afroamerikaner in seiner Not zweimal nach seiner Mama rief. Es fiel gar nicht so auf, aber mir bleibt es im Gedächtnis haften, zumal ich mich dabei an ein Erlebnis erinnerte, das für mich unvergesslich ist.

 

Als vor vielen Jahren mein kleiner Sohn wegen eines schlimmen Brandunfalls mehrere Wochen im Spital in einer speziellen Abteilung lag, durfte ich ihn zu bestimmten Zeiten, versehen mit Schutzkleidung, besuchen. In diesem Geviert lagen mehr oder weniger schwer verletzte Brandopfer, die ich durch die Scheiben auch teils sehen konnte. Einen davon, der anscheinend bei einem Brand seines Motorbootes schlimme Verbrennungen erlitten und dabei seine Frau verloren hatte, hörte ich gelegentlich verzweifelt nach seiner Mama rufen, was mich damals sehr berührte. 

 

So ist für mich die Erkenntnis sehr bewegend, wie sehr auch ein längst erwachsener Mann in seiner größten Not immer noch nach seiner Mama um Hilfe ruft, auch wenn sie vielleicht gar nicht mehr lebt!

 

Juni 2020


Der Zeisig

Vor einiger Zeit knallte wieder mal einer dieser hübschen eher seltenen gelben Zeisige an meine Fensterscheibe und kauerte dann benommen auf dem Boden.

 

Aber immerhin, er lebte noch. Als ich den Vogel aufhob und auf den Gartentisch setzte, sah ich, dass er an einem Beinchen beringt war. Es dauerte fast eine Stunde, bis er sich vom Schock erholt hatte und abflog, worüber ich mich sehr freute. Wieder mal einen Vogel gerettet.

 

Die Beobachtung mit dem beringten Bein beschäftigte mich jedoch weiter. So beschloss ich, unsere AVES Ostkantone anzurufen und diverse Fragen zu stellen. Diese sprach ich dann auf den Anrufbeantworter. Kurz darauf meldete sich Herr Reuter, der langjährige Mitarbeiter bei AVES. Ich kannte ihn durch meine langjährige Teilnahme bei der Senioren-Akademie Eupen, dessen Vorträge mich immer sehr interessierten.

 

Er erklärte mir ausführlich, wie hier in der Umgebung zur allgemeinen Kontrolle diverse Vögel schonend mit Netzen eingefangen, beringt, protokolliert und wieder freigelassen werden. Natürlich hatte ich auch Fragen dazu, die Herr Reuter geduldig beantwortete. Da die Zeisige eher selten sind, wie ich ja schon am Vogelhäuschen beobachten konnte, war sicher meine Mitteilung über die gelungene Rettung dieses schönen Vogels für unseren AVES-Mann eine positive Meldung! Und ich fand es sehr erfreulich, dass er sich so viel Zeit genommen hatte, mich über diese Vogelschutz-Initiative zu informieren!

 

Nachtrag: Etwa knapp drei Wochen später, als ich mich wie jeden Morgen dem Vogelhäuschen näherte, um die täglichen Sonnenblumenkerne hineinzustreuen, hörte ich aufgeregtes Piepsen zwischen den Pfingstrosen im Beet. Da sah ich ganz nah einen sicher soeben flügge gewordenen Zeisig, der es kaum erwarten konnte, das Vogelhäuschen zu entdecken!

 

Erraten Sie, an was ich dabei dachte? War das ein Nachkomme von „meinem“ geretteten Vogel? Wäre ja sehr schön!

 

Mai 2020


Der Morgenmensch und der Abendmensch oder die Lerche und die Nachtigall

Schon immer hatte ich Schwierigkeiten, bei Abendeinladungen und sonstigen Anlässen, die sich  z u  lange in die Nacht hineinzogen, wach und angeregt zu bleiben. Dafür fällt es mir leicht, morgens um halb 7 Uhr etwa aufzustehen und frisch den Tag zu beginnen. Also bin ich offensichtlich ein Morgenmensch, wie Sie mit Recht annehmen.

 

Dies wurde mir vor Kurzem erneut bewusst bei einer ganz banalen Sache, nämlich, als ich versuchte, mein tägliches Kreuzworträtsel aus unserem Grenz-Echo aus Zeitknappheit erst am frühen Abend zu lösen. Leider blieben viele Worte ungelöst, was meinem Ehrgeiz einen ziemlichen Dämpfer gab. Schließlich gab ich meine Versuche auf und verschob die Lösungen bis zum nächsten Mittag. Und siehe da, bis auf einziges fielen mir die fehlenden Worte auf Anhieb ein.

 

Ich vermute, wir werden einfach geboren als Morgen- oder als Abendmensch. Vielleicht haben Sie das auch schon beobachtet?

 

Mai 2020


Mitsingen

Wenn man selbst das Coronavirus mit großer Dankbarkeit überstanden hat, ist man nicht mehr dieselbe Person wie zuvor.

Nach all den Ängsten und Sorgen konnte ich auch unglaublich viele positive Erfahrungen durch die Zuwendung der Pfleger, meiner Angehörigen und unzähligen Freunden erfahren, was mir ebenfalls geholfen hat, im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine zu kommen.

Zuhause fand ich kurz darauf wieder in die üblichen Gewohnheiten, nicht zuletzt auch schaute ich wieder mal in das von meinen Kindern eingerichtete Facebook.

Dort sah ich neulich ein Video von einem dreijährigen Jungen, der mit viel Inbrunst und völlig korrekt und routiniert vor dem Mikrofon ein Lied von Whitney Houston sang. Angesichts des Alters dieses Kindes war ich schwer beeindruckt! Und da ich zu diesem Zeitpunkt auch alleine war, und keiner sich über mich lustig machen konnte, reizte es mich, mitzusingen, was ich früher immer mal versuchte und mehr oder weniger korrekt auch hinbekam. Aber diesmal hatte ich plötzlich den Eindruck, dass meine laienhafte Singstimme besser klang als noch vor etlichen Monaten vor meiner schweren Erkrankung.

Ich weiß nicht warum, aber ich habe mich ganz einfach darüber gefreut!

 

April 2020


Das digitale Zeitalter

Vor Kurzem wurde mir wieder mal bewusst, dass die digitalen Helfer, wie etwa das Mailen, doch eine große Hilfe sein können, und, im Vergleich zum Briefeschreiben, so viel schneller geht!

 

Vor einigen Tagen kam ich allerdings notgedrungen in die Situation, zwei Briefe zu schreiben und per Post abzusenden. Es war sozusagen ein richtiger Notfall!

 

In meinem Kalender notiere ich jeweils für ein ganzes Jahr die Geburtstage meiner Freunde und Verwandten. So war der Ehrentag jeweils für meine Kusine und einem Jugendfreund in Basel fällig. Wie immer versuchte ich anzurufen, um zu gratulieren, aber diesmal erhielt ich bei beiden Geburtstagskindern den Hinweis, dass unterdrückte Nummern, wie die meinige, nicht angenommen werden.

 

So versuchte ich es per E-Mail, meine Wünsche loszuwerden. Wozu gibt es schließlich den Computer? Aber ich wartete vergebens auf eine Reaktion bei beiden Personen, die eigentlich sonst immer zuverlässig sind.

 

Also beschloss ich, wie zu uralten Zeiten ironisch gemeint  je einen Geburtstagsbrief zu tippen, den ich ausdruckte und unterschrieb. Dann Kuverts, Absenderkleber, Briefmarke bereit legen, alles falten, Blatt in das Kuvert schieben, Adresse schreiben usw., usw. Und nun musste das Ganze nur noch in den Briefkasten gesteckt werden, was ich dann bei einem kurzen Taxistopp auch erledigte. Uff!

Und wie gesagt, es lebe, zumindest in diesem Fall, Das digitale Zeitalter!

 

März 2020


Ein Fund im Bücherregal

Als ich kürzlich nach einem bestimmten Buch in meinem Bücherregal suchte, fiel mir oben, auf einigen Krimis liegend, ein winziges Bändchen in die Hände, das plötzlich fast vergessene Erinnerungen an lange vergangene Zeiten in mir wachrief.

 

Ich nahm es in die Hände, der Einband nicht mehr sauber, regelrecht abgenutzt sieht es aus. Und ich weiß auch genau, warum.

 

Gehen wir zurück in die Zeit, als meine Kinder noch klein waren, das heißt unternehmungslustig und neugierig. Die Jüngste mit etwa drei Jahren machte auch vor unseren Büchern im Regal nicht Halt. Da musste ich rasch einschreiten, denn Bücher sind für mich als stete Leserin sozusagen heilig! So kam ich auf die Idee, ein winziges Büchlein aus meinem Bestand meiner Tochter zu zeigen, das sie nehmen und damit spielen durfte. Und das fand meine Jüngste offensichtlich richtig spannend. Es passte auch genau in ihre kleinen Hände und ließ sich aufblättern, anschauen, zuklappen und so fort.

 

Vielleicht möchten Sie wissen, welchen Titel dieses besagte Büchlein hat? Es heißt

 

Quellen östlicher Weisheit, chinesische Sprichwörter

 

Wer hätte gedacht, dass auch ein dreijähriges Mädchen an solchen Quellen Freude hat?!

 

März 2020


Ein schwarzer Tag mit Happy End

Wer hätte gedacht, dass uns noch solche Schneemengen kurz vor dem Monat März beschert würden. Ich beschloss, meine Vögelchen nun zweimal an Tag zu füttern. Und wie immer begleitete mich meine Hündin Chloé bei diesem täglichen Ritual, obwohl auch sie natürlich Schwierigkeiten hatte, durch den Schnee zu stapfen.

 

Als ich soeben die Körner ins Vogelhäuschen füllte, hörte ich hinter mir ein lautes Platschen und stellte zu meinem Entsetzen fest, dass Chloé in unseren kleinen Brunnen gefallen war. Verzweifelt paddelte sie im eisigen Wasser herum. Ich schrie buchstäblich vor Schreck, und einen kurzen Augenblick hoffte ich, der Nachbar könne uns sehen und zur Hilfe eilen. Aber überall Totenstille, bis auf das leise Winseln meiner total geschockten Hündin. In aller Hast kniete ich mich vor den Brunnen und rief sie zu mir, bis ich sie schließlich am Hals zu fassen bekam, und mit der anderen Hand unter den Vorderbeinen heben konnte. Nebenbei bemerkt, die Hündin wiegt 13 Kilo! So konnte ich sie schließlich herausheben. Aber offensichtlich war mein Hund derart verstört, dass er gleich wieder ins Wasser fiel. Voller Entsetzen und Verzweiflung schrie ich diesmal noch lauter. Also erneuter Versuch, rechte Hand unter den Hals – erschwerend dazu kam, dass sie kein Halsband trägt – linke Hand unter den Bauch hinten und wieder gelang es mir, sie zu fassen und herauszuheben. Und diesmal rannte meine total verängstigte Hündin ins Haus.

 

Aber nun kniete ich immer noch dort im Schnee. Und da ich ja bekanntlich zu den ziemlich alten Semestern zähle und nicht mehr so fit bin, hatte ich große Schwierigkeiten, schließlich nach etlichen Tricks und Bemühungen, - Einzelheiten möchte ich Ihnen ersparen - ins Haus zu gelangen.

 

Dort legte ich sofort mehrere warme Decken um meine zitternde Chloé und rubbelte sie einigermaßen trocken. Erst dann konnte ich selbst meine nasse Kleidung wechseln.

 

Die herbeigerufene Tierärztin stellte keinerlei Schäden bei meinem tierischen Begleiter fest, was in Anbetracht ihres Alters von 15 1/2 Jahren erstaunlich ist. 

 

Ein freundlicher Helfer brachte ein Drahtgitter vor dem Brunnen an, sodass er gut abgesichert bleibt.

 

Und am Abend fraß meine Hündin wie immer mit Appetit ihr Futter!

 

Wir hatten unglaubliches Glück gehabt, wofür ich der Vorsehung sehr, sehr dankbar bin!

 

Februar 2020


Wenn einer eine Reise tut ...

Über die Weihnachtstage hatte ich geplant, zu meinen Kindern und Enkeln in die Schweiz zu fliegen. Diesmal wieder mit der sogenannten Assistance, die mir schon vor zwei Jahren beim Finden der entsprechenden Gates geholfen hat.

Das bedeutet also, dass der behinderte oder relativ alte Reisende in einem entsprechenden Bereich zusammen mit den anderen Reisenden warten muss, bis der Rollstuhl oder das Fahrzeug ihn abholt.

Unwillkürlich kann man da ganz interessante Beobachtungen machen. Vor zwei Jahren zum Beispiel versammelte sich eine türkische Familie in einem solchen Bereich, wobei die Oma ihre beiden Enkelsöhne ununterbrochen fütterte. Sicher meinte sie es gut, aber ich konnte schon sehen, dass eines der beiden Kinder sich nur widerwillig die Leckereien in den Mund stopfen ließ. Der kleine Junge tat mir richtig leid, und da plötzlich … erbrach sich das Kind direkt auf den Steinboden im Wartebereich! Und wie zu erwarten, große Aufregung, aus den Gesten entnahm ich Vorwürfe des Vaters, der dann die ganze Bescherung aufnehmen musste!

Und dieses Jahr am Flughafen Düsseldorf wurde eine stille dunkelhaarige Frau offensichtlich von ihrem Mann in den Wartebereich gebracht. Er redete noch ein wenig mit der Frau, dann steckte er ihr die entsprechenden Papiere in ihre Jackentasche und verabschiedete sich von ihr. Ich behielt sie im Auge und spürte die Unruhe der Frau, obwohl sie nur starr geradeaus sah und ganz still dasaß.

Als ich mit einigen anderen Reisenden aufgerufen wurde, verlor ich sie im Wagen sitzend für den Moment aus dem Blick, bis sie plötzlich hinter unserem Gefährt herbeigeeilt kam, wobei ich sah, dass die arme Frau extreme O-Beine und Schwierigkeiten mit dem Laufen hatte. Offensichtlich hatte sie nicht richtig aufgepasst, denn sie hätte, wie ich erfuhr, in ein anderes Gefährt zum Flug nach Hamburg einsteigen müssen. So lief sie weiter in großer Aufregung, bis ich sie ganz aus den Augen verlor.

Ich hoffe, dass die arme Frau schließlich das richtige Gate gefunden hat. Irgendwie kann ich sie so schnell nicht vergessen!


Januar 2020